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Kuratiert von Marvin Marckwardt, zeigt das Gastfeld seit 2011 als einzige Bremer Galerie ausschließlich Fotokunst. Neben Ausstellungen arrivierter Fotografen gibt es auch Erstausstellungen noch unbekannter hochtalentierter Künstler. Gastfeld Gallery – home of photographic art.

At Table

Fotografien von Glenna Jennings

 

 

Dayton, Ohio

 

»Die seit 2005 fortlaufende Serie ›At Table‹ dokumentiert alltägliche Räumlichkeiten des Sichdarstellens und In-Beziehung-Tretens – Esszimmer, Küchen, Restaurants, Bars und Kaffeetische. Die Serie nutzt das ungeordnete Zusammenkommen von Tellern, Flaschen und Gewürzen, um menschliche Beziehungen, die sich vor meiner Linse abspielen, in den Vordergrund zu stellen und aus einem Blickwinkel zu navigieren, der örtlich sehr tief geht, aber global sehr weit. In Ländern wie den USA, Mexiko, Kanada, China, Serbien und Großbritannien habe ich Tausende Momente gesammelt, die Freunde, Familie und einstmalige Fremde einfangen, wie sie gemeinsam Zeit mit Essen und Trinken verbringen, wo auch ich aktive Teilnehmerin bin.

 

Meine ›Tischlandschaften‹ bieten subtile Momente von Drama und Humor, in denen sich Gesten, Ausdrücke und Gegenstände verbinden, um zu kulturellen Artefakten und persönlichen Erinnerungen zu werden. Ich sehe den Tisch als einen Raum, der oft kulturelle Grenzen überschreitet und zu einem Ort für authentische Interaktion wird. Während die Oberflächenqualitäten, die die Fotografien verbinden, größtenteils formal sind – kräftige Farben, übertriebene Gesichtsausdrücke, eine gleichbleibende Brennweite –, ist die Serie aus dem Konzept und Bedürfnis entstanden, vielfältige Beziehungen außerhalb der Familie aufzubauen. Für mich als Einzelkind wurden diese Fotografien zu Repräsentanten einer erweiterten Familie, die sich der traditionellen Definition entzieht.

 

Auf einer breiteren Ebene bietet die Arbeit eine einzigartige visuelle Anthropologie alltäglicher Momente, die von einer Reihe von Kulturen geteilt werden, und thematisiert gleichzeitig, wie Fotografien im Bereich der öffentlichen Kultur als unvollkommene persönliche Erinnerungen oder gemeinsame Geschichten funktionieren können. Letztendlich zielt diese Serie darauf ab, ganz anders als Kritik, Aspekte menschlicher Umstände zu verbinden, die sich an einem vertrauten, alltäglichen Ort mit einem oft ungenutzten politischen Potenzial kreuzen und zusammenlaufen – dem Tisch.

 

 

London, England

 

Als Künstlerin und Pädagogin benutze ich bei meiner Arbeit in der Gemeinschaft häufig die Esskultur als Mittel, um schwierigere Fragen zu sozialer Ungerechtigkeit zu behandeln. ›At Table‹ präsentiert eine Ich-Erzählung, die das Foto als ein ziemlich traditionelles, wenn auch zielgerichtet performatives Dokument verwendet. Die Bilder wurden jedoch durch Ausstellungen, Gemeinschaftsveranstaltungen und Bildungsaktivitäten in den Dienst größerer kultureller Erörterungen gestellt.

 

Meine Erfahrungen an diesen diskreten Orten rund um den Globus resultieren aus meinem Privileg, mich frei zu bewegen und überregional Zugang zu Nahrungsmitteln zu haben. Ich präsentiere Räume, die innerhalb eines relativ engen sozioökonomischen Bereichs liegen, in dem weder extremer Wohlstand noch Armut vorherrschen, gleichzeitig erkennend, dass dies nur ein kleiner Teil einer globalen Gesellschaft ist, in der Hunger ein sehr reales Thema ist.

 

Meine eigenen fotografierten Erlebnisse, in all ihrer peinlichen Schönheit oder chaotischen Authentizität, sind allesamt auf die gastfreundlichen Taten von Freunden, Familienmitgliedern, geliebten Menschen und bloßen Bekannten zurückzuführen. Ich biete sie an als kleines Archiv des Potenzials für radikale Gastfreundschaft, aktives Miteinander und Freundlichkeit von Fremden, um dazu beizutragen, die Landschaft unseres polarisierten politischen Klimas zu verändern. Ich biete sie an mit dem offensichtlich naiven, aber hartnäckig leidenschaftlichen Glauben, dass sich gemeinsam setzen zum Essen und Trinken Herzen, Gedanken und Welten verändern kann.«

 

(übersetzt von Marvin Marckwardt)

 

 

San Diego, California

 

Glenna Jennings ist eine Künstlerin und Pädagogin, deren Arbeit sich hauptsächlich der Geschichte, Theorie und Praxis der Fotografie widmet. Sie absolvierte 2010 ihr MFA in Bildender Kunst an der University of California San Diego und hat je einen BA in Englisch und Spanisch (Pepperdine) sowie einen BFA in Fotografie (Art Center College of Design). Derzeit ist sie außerordentliche Professorin am Institut für Kunst und Design der University of Dayton, wo sie das Fotografieprogramm leitet. Jennings hat in den USA, China, Europa und Mexiko ausgestellt. Ihre Arbeiten befinden sich in mehreren öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter im Museum of Contemporary Art San Diego und im AMNUA Museum in Nanjing, China. Sie war auf der California Biennial 2010, dem Ping Yao Photography Festival 2014 in China und der Rust Belt Biennale 2019 zu sehen. Die Anerkennung ihrer Arbeit umfasst zwei Individual Excellence Awards des Ohio Arts Council und ein Peter McGrath Human Rights Fellowship. Auf der Photolucida Critical Mass 2019 wurde sie als Finalistin ausgewählt.

 

Die Ausstellung im Gastfeld ist die erste der Künstlerin in Deutschland.

 

Weitere Informationen über das Projekt »At Table« findet ihr auf udayton.edu/magazine/2020/04/at-table.php und einen Überblick über Glenna Jennings‘ Gesamtwerk auf ihrer Website glennajennings.com.

 

FineArt-Druck: Marc Hesse FineArt, fineart-online.biz

 

Chronik der vorherigen 27 Ausstellungen:

 

 

George Nobechi, Tokio: »Here. Still.«  2020, erste Ausstellung des Künstlers in Deutschland

 

 

Jürgen Bürgin, Berlin: »Urban Nights«. 2020

 

 

Mark Broyer, Hamburg: »high and dry. Eine Stadt versucht zu überleben«. 2019, erstmalige Einzelausstellung dieser Serie

 

 

Callie & Josh, age 24 and 28. »The bed, like sexuality, is a place to find healing and self.« Cabbage Town, Georgia

 

Barbara Peacock, Portland, Maine: »American Bedroom«. 2019, erste Ausstellung der Künstlerin in Deutschland

 

 

Britt Marie Bye, Harstad/Oslo: »Verlassene Häuser jenseits des Polarkreises«. 2019, erste Ausstellung der Künstlerin in Deutschland

 

 

Natan Dvir, New York: »Coming soon«. 2018, erstmalige Ausstellung dieser Serie in Deutschland

 

 

Bernd Walz, Potsdam: »Rural areas«. 2018, erstmalige Ausstellung dieser Serie

 

 

Eusepia Lehe, Plauen: »Plauener Portraits. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 4«. 2018

 

 

Andreas Levers, Potsdam: »At night«. 2017, erstmalige Ausstellung dieser Serie

 

 

Peter Baumeister, Berlin: »Cuban scenes«. 2017, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Susanne Baumgartner, Burgdorf, Schweiz: »Augenblicke«. 2017

 

 

Bastian Kienitz, Mainz: »Unklarheiten«. 2016, erste Einzelausstellung des Künstlers

 

 

Hans-Bernd Steffens, Paris: »Vie de rue«. 2016, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Peter Juzak, Wennigsen: »Die Welt der Mikrokristalle«. 2016, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Katrin Lehmann, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 3«. 2015, erste Einzelausstellung der Künstlerin

 

 

Andreas Günther, Köln: »Non-Places«. 2015, erste Einzelausstellung des Künstlers

 

 

Petra Kautz, Graz: »sommerduftfarben«. 2015, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

Klaus Heppenheimer, München: »moments in monochrome«. 2014, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Cindy Steudel, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 2«. 2014, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

Tad Kanazaki, Tokio: »Japanische Idyllen«. 2014, erste Ausstellung des Künstlers in Deutschland

 

 

Susanne Baumgartner, Burgdorf, Schweiz: »in the street«. 2013, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

»Die Blaue Stunde« (Gruppenausstellung von 18 Fotografen; hier: Dora Pi, Winterberg). 2013

 

 

Kristin Lehmann, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 1«. 2013, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

Dennis Stauffer, Solothurn, Schweiz: »Magie der Farben«. 2012, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Lutz Rehschuh, Liebstadt: »Abgewickelt. Stätten des Verfalls«. 2012, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Antonio Morri, Riccione, Italien: »Italienische Momente – Attimi italiani«. 2012, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Lovis Maxim Wambach, Bremen: »Im Reich der steinernen Wesen. Verborgene Bremer Details«. 2011, Erstausstellung des Künstlers