Kuratiert von Marvin Marckwardt, zeigt das Gastfeld seit 2011 als einzige Bremer Galerie ausschließlich Fotokunst. Neben Ausstellungen arrivierter Fotografen gibt es auch Erstausstellungen noch unbekannter hochtalentierter Künstler.

Verlassene Häuser jenseits des Polarkreises

Fotografien von Britt Marie Bye

 

 

Vor einigen Jahren kämpfte Britt Marie Bye, eine Fotografin aus Oslo, gegen eine schwere Krankheit an. Um ihr Immunsystem nicht noch mehr zu gefährden, mied sie Menschenmassen und suchte Trost in der skandinavischen Wildnis jenseits des Polarkreises.

 

Auf einem ihrer dortigen Waldausflüge kam Britt M. – wie sie sich auch nennt – an einem Cottage vorbei. »Es stand einsam und von den Menschen verlassen da, geradezu so, wie ich mich zu dieser Zeit auch fühlte«, erzählt sie. »Ich ging hinein und fand ein Zuhause, das, obwohl vor Ewigkeiten verlassen, immer noch sehr gegenwärtig war. Es gab Bücher und Kleidung, Möbel, Kochgeschirr und Bettwäsche.«

 

Britt M. war sehr angetan von diesem einsamen, aufgegebenen Ort. Sie kam wieder zurück, dieses Mal mit ihrer Kamera. Danach begann die Fotografin, aktiv nach weiteren verlassenen Häusern zu suchen.

 

»Diese Waldabenteuer wurden mein neuer Schwerpunkt und ich war überrascht, wie viele solcher Orte es gibt. Bauernhöfe, Häuser und Cottages, alle seit vielen Jahren verwaist und alle erzählen ihre eigene kleine Geschichte«, sagt Britt M.  

 

Wegen des Rückgangs der Landwirtschaft sehen sich viele ländliche Regionen in Skandinavien mit Entvölkerung konfrontiert. Die jungen Leute strömen in die Städte und lassen die ländliche Lebensweise hinter sich. Die Häuser geben ihr ein nostalgisches, melancholisches Gefühl, sagt Britt M., welches ihre Fotos wiedergeben.

 

»Das Gefühl, das man bekommt, wenn man von so steilen und hohen Bergen umgeben ist und einem Ozean, der so kristallklar und türkisblau ist, lässt dich unglaublich klein und in Ehrfurcht fühlen«, sagt sie. »Auch ist es sehr reizvoll, Verlassenheit in einer solcher Umgebung zu fotografieren – die verwitterten Häuser stehen in direkter Übereinstimmung mit der mächtigen Natur, die sie umgibt.«

 

 

Jetzt, mit besserer Gesundheit, sucht die Fotografin noch immer verlassene Gebäude in der norwegischen Wildnis. Aber es ist kein einfaches Terrain. In der Nähe des Ozeans und der Berge kann sich das Wetter von Minute zu Minute ändern. Obwohl sie im Winter noch nicht jenseits des Polarkreises fotografiert hat, hofft sie, es irgendwann zu tun.

 

Britt M. fotografiert lieber bei schlechtem Wetter als an Sonnentagen. »Für mein Empfinden symbolisieren Wolken und ein dramatischer Himmel die Melancholie dieser verlassenen Häuser. Ich habe oft Ausflüge gemacht und kein einziges Foto aufgenommen, weil es zu sonnig war. Wenn ich dann Häuser finde, merke ich sie mir und komme an einem Tag mit passenderem Wetter zurück. Ich verfolge ständig die Wetternachrichten, im Norden ändert es sich schnell.«

 

Darüber hinaus sagt Britt M., dass das spektakuläre Licht von Nordnorwegen eines ihrer Lieblingsdinge dieser Region sei. »Das Licht dort oben ist wundervoll! Ich konnte mir nie vorstellen, dass ein Sonnenuntergang so viele Variationen haben kann. Von der Mitternachtssonne bis zum Polarlicht – es dreht sich alles um das Licht.«

 

Britt M. plant, weiterhin verlassene Häuser in Nordnorwegen zu fotografieren, da es ihr Lieblingsobjekt ist. »They became my refuge during difficult times and I feel the need to keep telling their stories, to keep them in our present even though they were left in the past.«

 

Seit 2015 hatte Britt M. eine ganze Reihe Ausstellungen in norwegischen Galerien, zuletzt 2018 in der Galleri Ramfjord in Oslo, und Veröffentlichungen in internationalen Publikationen wie The Daily Mail, Newsweek Japan, Voice of America, Lonely Planet und Dark Beauty Magazine.

 

Die Ausstellung von Britt M. im Gastfeld ist ihre erste in Deutschland. Weitere Fotos der Künstlerin und Informationen über sie finden sich auf ihrer Website http://www.bybrittm.com, auf Facebook  (https://www.facebook.com/bybrittm) und auf Instagram  (https://www.instagram.com/bybrittm). Bei Fragen oder um ihre Fotos zu erwerben, ist sie über ihre E-Mail-Adresse bybrittm@gmail.com erreichbar.

 

FineArt-Druck: Marc Hesse FineArt, fineart-online.biz

 

Hier im Wechsel ein Rückblick auf einige der vorherigen 22 Ausstellungen:

 

Antonio Morri, Riccione, Italien: »Italienische Momente – Attimi italiani«. 2012, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Dennis Stauffer, Solothurn, Schweiz: »Magie der Farben«. 2012, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Kristin Lehmann, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 1«. 2013, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

»Die Blaue Stunde« (Gruppenausstellung von 18 Fotografen; hier: Dora Pi, Winterberg). 2013

 

 

Susanne Baumgartner, Burgdorf, Schweiz: »in the street«. 2013, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

Cindy Steudel, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 2«. 2014, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

Klaus Heppenheimer, München: »moments in monochrome«. 2014, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Petra Kautz, Graz: »sommerduftfarben«. 2015, Erstausstellung der Künstlerin

 

 

Andreas Günther, Köln: »Non-Places«. 2015, erste Einzelausstellung des Künstlers

 

 

Katrin Lehmann, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 3«. 2015, erste Einzelausstellung der Künstlerin

 

 

Hans-Bernd Steffens, Paris: »Vie de rue«. 2016, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Bastian Kienitz, Mainz: »Unklarheiten«. 2016, erste Einzelausstellung des Künstlers

 

 

Susanne Baumgartner, Burgdorf, Schweiz: »Augenblicke«. 2017

 

 

Peter Baumeister, Berlin: »Cuban scenes«. 2017, Erstausstellung des Künstlers

 

 

Andreas Levers, Potsdam: »At night«. 2017, erstmalige Ausstellung dieser Serie

 

 

Eusepia Lehe, Plauen: »Plauener Portraits. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 4«. 2018

 

 

Bernd Walz, Potsdam: »Rural areas«. 2018, erstmalige Ausstellung dieser Serie

 

 

Natan Dvir, New York: »Coming soon«. 2018, erstmalige Ausstellung dieser Serie in Deutschland

 

Chronik der Ausstellungen

 

Lovis Maxim Wambach, Bremen: »Im Reich der steinernen Wesen. Verborgene Bremer Details«.  07.10.2011 – 31.01.2012

 

Antonio Morri, Riccione, Italien: »Italienische Momente – Attimi italiani«.  01.02.2012 – 31.05.2012

 

Lutz Rehschuh, Liebstadt: »Abgewickelt. Stätten des Verfalls«.  01.06.2012 – 30.09.2012

 

Dennis Stauffer, Solothurn, Schweiz: »Magie der Farben«.  01.10.2012 – 31.01.2013 

 

Kristin Lehmann, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 1«.  01.02.2013 – 31.05.2013

 

»Die Blaue Stunde. Erlebt von 18 Fotografen«.  03.06.2013 – 31.10.2013

 

Susanne Baumgartner, Burgdorf, Schweiz: »in the street«.  01.11.2013 – 28.02.2014

 

Tad Kanazaki, Tokio: »Japanische Idyllen«.  01.03.2014 – 30.06.2014

 

Cindy Steudel, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 2«.  01.07.2014 – 31.10.2014

 

Klaus Heppenheimer, München: »moments in monochrome«.  01.11.2014 – 28.02.2015

 

Petra Kautz, Graz: »sommerduftfarben«.  01.03.2015 – 30.06.2015

 

Andreas Günther, Köln: »Non-Places«.  01.07.2015 – 31.10.2015

 

Katrin Lehmann, Plauen: »Women. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 3«.  01.11.2015 – 29.02.2016

 

Peter Juzak, Wennigsen: »Die Welt der Mikrokristalle«.  01.03.2016 – 31.05.2016

 

Hans-Bernd Steffens, Paris: »Vie de rue«.  01.06.2016 – 07.08.2016

 

Bastian Kienitz, Mainz: »Unklarheiten«.  08.08.2016 – 30.09.2016

 

Susanne Baumgartner, Burgdorf, Schweiz: »Augenblicke«.  31.03.2017 – 31.07.2017

 

Peter Baumeister, Berlin: »Cuban scenes«.  01.08.2017 – 30.11.2017

 

Andreas Levers, Potsdam: »At night«.  01.12.2017 – 31.03.2018

 

Eusepia Lehe, Plauen: »Plauener Portraits. Plauener ›Schule‹ poetisch-sinnlicher Fotografie; Teil 4«.  03.04.2018 – 30.06.2018

 

Bernd Walz, Potsdam: »Rural areas«.  01.07.2018 – 31.10.2018

 

Natan Dvir, New York: »Coming soon«.  01.11.2018 – 28.02.2019

 

Britt Marie Bye, Harstad/Oslo: »Verlassene Häuser jenseits des Polarkreises«.  04.03.2018 – 30.06.2018